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Sonntag, 5. März 2006, 09:06

Beisshemmung

Es ist völlig normal, dass ein junger Hund beisst. Je mehr er beisst und dafür eine angemessene Rückmeldung bekommt, desto weicher wird das Maul des erwachsenen Hundes sein.

Beissen ist nicht gleich beissen. Es werden mittlerweile recht verbreitet 6 verschiedene Beisslevel eingeteilt:

1. Knurren, Zähne zeigen, keinen Kontakt
2. Einzelner leichter Biss, kein Blut
3. Einzelner Biss mit leichter Verletzung, höchstens die Tiefe eines halben Hundezahns
4. Einzelner Biss mit Verletzung tiefer als ein halber Hundezahn, Schütteln
5. Mehrere Bisse mit Verletzungen tiefer als ein halber Hundezahn, Schütteln, schwere Verletzungen
6. Todesfall

Der schlimmste Fall ist ein Hund, der sehr gut sozialisiert ist, sich eng an den Menschen anschliesst und über eine schlechte Beisshemmung verfügt, die nicht erkannt wird. Wenn es dort zu einem Biss kommt (z. B. aus einem Schrecken heraus) wird er aller Vorraussicht nach hart und verletzend sein.

Eine gute Beisshemmung heisst nicht, dass der Hund nicht beisst, sondern dass er die Stärke des Bisses dosieren kann und keinen Schaden anrichtet.

Die Beisshemmung gegenüber Artgenossen und gegenüber Menschen sind zwei verschiedene Dinge, die beide erlernt werden müssen. Sie ist nicht angeboren, sondern wird im Welpenalter trainiert.
Das "Nachtrainieren" eines erwachsenen Hundes ist ist möglich, aber äusserst schwierig.

Das Training läuft in 2 Schritten ab und der Mensch muss dazu seine Hände "opfern", ein rauhes Spiel mit Handschuhen (von Männern mit grossen Hunden gerne mal praktiziert ...) ist kontraproduktiv.

1. Phase: Die Stärke des Bisses wird verringert. Wir quietschen auf, brechen das Spiel ab, als letzte Massnahme verlassen wir den Raum. Dies sollte bis zum Alter von 4 1/2 Monaten abgeschlossen sein. (Dann kommen langsam neue Zähne und der Kiefer wird insgesamt kräftiger.)

2. Phase: Die Häufigkeit der Bisse wird verringert. Wir lehren den Hund ein Signal, mit dem er sein Verhalten stoppt. Dies sollte mit 5 Monaten abgeschlossen sein.

Die Beisshemmung sollte das Hundeleben lang im Spiel überprüft werden.

Der junge Hund sollte auf jeden Fall zum Händebeissen animiert werden (im Spiel ist das meist gut möglich). Nur so gibt es eine Möglichkeit, dass er durch unsere Rückmeldung lernt, den Druck seines Kiefers zu dosieren.

NIEMALS das Händebeissen verbieten (wird immer noch gerne in Welpenstunden gelehrt). Damit gibt es keine Möglichkeit des Lernens mehr.

Gut erklärt ist es in dem Buch "After You Get Your Puppy" von Ian Dunbar. Er ist ein Spezialist für Welpenfrüherziehung und für Aggressionsprävention.

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